Ulmer Schmuck / Online Magazin

Ulmer Schmuck

16. Juli 2009 Ulm

Caroline Schwarz, Juniorchefin von Charlotte, Ehinger-Schwarz, mit Ulmer Schmuck-Collier, 2009, Silber, Edelstahl, facettierter Onyx. Preis 1350 €.

Im Jahre 1886, elf Jahre nach der Gründung seiner Schmuckfirma, kam der Ulmer Robert Friedrich Merath auf die Idee, seinen Schmuck im Barockstil „Ulmer Schmuck“ zu nennen. Der mit der Vollendung des Ulmer Münster Turms, dem höchsten Kirchturm der Welt, entstandene Lokalpatriotismus hatte ihn dazu ermutigt, obwohl dieser Schmuck überall hergestellt wurde. Die schöpferische Leistung Meraths bestand lediglich darin, die Barockschnörkel mit kleinen Kügelchen zu verzieren. Auch verwendete er statt Gagat lieber Onyx als Schmuckstein.

Gagat, auch Jet genannt, besteht aus versteinerter Kohle und wurde im Trauerschmuck des Historismus sehr häufig eingesetzt. Modisch populär wurde der schwarze Schmuck durch die englische Königin Victoria, 1819–1901. Sie fiel nach dem Tod ihres Gatten Prinz Albert 1861 in tiefe Depression, trug nur noch schwarz und verlangte, dass der ganze Königshof ihrem Beispiel folgte. Und die britischen Royals, damals auf dem Zenith ihrer Macht, wurden zum Vorbild für ganz Zentraleuropa.

Dass die Schmuckmode mit den schwarzen Steinen jetzt im 21. Jahrhundert bei Charlotte·Ehinger-Schwarz 1876 ihre Neuauflage feiert, liegt hauptsächlich an dem Goldschmied und Juwelier Wolf Peter-Schwarz. Er musste noch in der Lehre bei seinem Großvater Otto Ehinger II. um 1960 Schnörkel für „Ulmer Schmuck“ biegen. In den 1970er Jahren kam die historistischen Formen aus der Mode, u.a. auch bei der Firma Robert Merath. Sie hatte bereits 1905 ihren „Ulmer Schmuck“ nach Bern geliefert, wo er zur schwarzen Tracht getragen wurde. 1920 folgte der Export in die USA. Das Haus Tiffany zählte zu den ersten Kunden.

In den 1990er Jahren gelang Wolf Peter-Schwarz mit dem wandelbaren Charlotte-Schmuck ein internationaler Erfolg. Dass der „Ulmer Schmuck“ jetzt in diesem Rahmen auflebt, ist nicht verwunderlich, denn die Liebe zum Schnörkel war von Beginn an bei Charlotte, benannt nach seiner schwedischen Ehefrau, spürbar. In einer kleinen Ausstellung im Ulmer Schwörhaus werden historische Stücke des 19. und 20. Jahrhunderts neuen Charlotte-Arbeiten mit barocken Anklängen gegenübergestellt. Kuratorin der Ausstellung ist Dr. Helga Müller-Schnepper, die mit einer Arbeit über Goldschmiedekunst promovierte.

Aus dem Fundus der Vergangenheit wird der neue „Ulmer Schmuck“ geschöpft. Wandelbar als Brosche und Anhänger tragbar. Collier 760 €.

Barockes Dekor auf schlichter Form: „Ulmer Schmuck“ 2009. Gold 750, Leder und Ebenholz, facettierter Onyx, 690 €.

Ring in Hightech-Keramik und Collier. Ebenholz, Gold 750 und facettierter Onyx. Ring 735 €, Collier 1900 €.

Die Ausstellung “Ulmer Schmuck – Heute und Gestern” wird am Freitag, 17. Juli 2009 um 18 Uhr offiziell im Schwörhaus Ulm eröffnet und ist bis 30.08.2009 zu sehen. Öffnungszeiten Di–So von 11.00 bis 17.00 Uhr. Eintritt frei.

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