Minimalismus im Schmuck, Teil 2

Ringkombination „Swivel“, Stahl, Gold, von Pur. Dialog der stillen Kontraste, Groß zu Klein, Stahl zu Gold, Minimalismus in Bewegung.
Kunstkenner denken beim Minimalismus an die Skulpturen eines Donald Judd oder die Neonröhren eines Dan Flavin. Doch hat der Minimalismus, der sich in der Architektur, in Design und Mode seit den 1960er Jahren ausbreitete, auch im Zen-Buddhismus, der De Stijl-Bewegung und dem Bauhaus seine Wurzeln. Sie alle lieferten Motive für den Minimalismus im Schmuck der Nachkriegszeit. Erste Protagonisten waren Schmuckkünstler wie Emmy van Leersum und Gijs Bakker aus Amsterdam, aber auch Reinhold Reiling, Pforzheim, in seinen späten Arbeiten.
In den 1980er Jahren wurde minimalistischer Schmuck, hierzulande „die klare Form“ genannt, vor allem durch die Manufaktur Niessing und Designer wie Carl Dau, Sabine Brandenburg-Frank und Hans-Hermann Lingenbrinck, Pur, bekannt. Die folgenden Beispiele in Teil 2 unseres Beitrags über minimalistischen Schmuck zeigen, dass der Minimalismus keine Modeerscheinung war, sondern für viele Designer das Grundkonzept ihres Schaffens.

Halsschmuck „belle affaire“, Gold 750, von Ines Arndt. Hochwertig, feingliedrig, sinnlich reduziert, gleich einer grafischen Zeichnung.

Niessing-Armreif „Bow“ aus Platin 950. Linienführung ohne Anfang und Ende von meditativer, skulpturaler Qualität.

Von IsabelleFa stammen Hals- und Armreif „Navetteprofil“ aus Roségold. Die großvolumigen Formen sind das Ergebnis von jahrelangen Entwicklungsprozessen. Sehr prächtig und doch klar minimalistisch.

Armreif Faltung aus Gold 750 von Sabine Brandenburg-Frank aus der Manufaktur IsabelleFa. Technische Raffinessen als Teil der Schmuckästhetik erweitern den Funktionsspielraum.

Halsschmuck „Schwingungen“ von Doris Neumann. Glas, Gold 750. Navetteformen gefüllt mit meditativen Räumen.

Ansteckschmuck „Freiraum“ von Kathrin Sättele aus Gold 750. Im Schmiedeprozess entstehen Formverläufe von rund bis flach. Assoziationen an Kalligraphien.

„Doppelringe“ von Monika Glöss. Silber 925 und Gold 750. In der beweglichen Konstruktion wird die Einfachheit von Quadrat, Kreis und Linie vielschichtig und interessant. Fotostudio Jü Walter, Düsseldorf.

Ring „Schlingel“ von Kerstin Henke. Silber 925 oxidiert mit Perle. Der klassische Perlenring bekommt ein neues „Gesicht“ und überzeugt durch skulpturale Qualität und räumliche Leichtigkeit. Aus feinem Vierkantdraht von Hand gefertigt.

Ohrringe „In dem Kreis“, Ulla und Martin Kaufmann. Gold 750 geschmiedet. Strenge Reduktion, doch gleichzeitig voller Lebendigkeit. Foto H.P. Hoffmann.

Armreife „B 161“ und „B 162“ von Marcin Zaremski. Silber kratzmatt und Silber goldplattiert. Die Besonderheit des schlichten Entwurfs liegt im Verschluss. Perfekter Einklang von Ästhetik und Funktion.

Partnerringe „R 202“ von Rembrandt Jordan. Gelb- und Weißgold 750, Silber. Ein verführerisches Spiel mit der Dualität von Mann und Frau und doch absolut minimalistisch.

Der „Zwischenfingerring“ von Günter Wermekes, Kierspe. Edelstahl, Brillant 0,12ct. Getragen zwischen den Fingern, sicher gehalten durch zwei Stäbe, welche die Ober- und Unterseite der Hand berühren.

Ring „Double Oval“ aus Gelbgold 750 von Lehmann und Schmedding. Zwei ovale Ringe fest verbunden. Konische Formen erhöhen den Tragekomfort.



